Verstehen, was wirklich los ist.
ADHS ist keine Willensfrage und kein Modediagnose-Thema. Es ist eine neurobiologische Besonderheit, die im Erwachsenenalter oft unerkannt bleibt – und gut behandelbar ist, wenn sie erkannt wird.
Wie zeigt sich ADHS im Erwachsenenalter?
Bei Erwachsenen ist ADHS selten das klassische „Zappelphilipp“-Bild. Häufiger sind innere Unruhe, chronische Erschöpfung durch Kompensation und emotionale Intensität.
Aufmerksamkeit
- Schwierigkeit, bei unliebsamen Aufgaben dranzubleiben
- Hyperfokus bei sehr interessanten Tätigkeiten
- Gedanken springen, „Tab-Chaos im Kopf“
- Dinge liegen lassen, vergessen, verlegen
Impulsivität & Unruhe
- Entscheidungen aus dem Bauch, später Bedauern
- Worte fallen, bevor sie gedacht sind
- Körperliche Unruhe oder „innere Motor läuft“
- Konsum (Zucker, Koffein, Bildschirm) zur Regulation
Emotion
- Gefühle kommen stark und schnell
- Rejection Sensitivity (RSD)
- Motivationstäler, Antriebsschwankungen
- Scham, Selbstwertschwankungen
Alltag & Arbeit
- Zeitgefühl verschwimmt („Time Blindness“)
- Steuern, Papiere, Wäsche – immer ein Berg
- Produktiv in Deadlines, nicht in Routinen
- Abends erschöpft, nachts trotzdem wach
Keine Symptomliste ersetzt eine Diagnostik. Vieles hier hat auch andere Ursachen. Genau das prüfen wir im Erstgespräch.
Wie läuft die Abklärung ab?
- 3 Termine über 4–6 Wochen
- Strukturiertes Interview (DIVA-5) + Fragebögen + ggf. Testung
- Ausführliche schriftliche Befundbesprechung inklusive
- Gesamtkosten ca. 580 € (Details: Ablauf & Kosten)
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Erstgespräch (60 Min.)
Biografische Anamnese, aktuelle Beschwerden, Vorbefunde. Gemeinsam legen wir fest, ob eine vollständige ADHS-Diagnostik sinnvoll ist oder ob andere Abklärungen zuerst sinnvoller sind.
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Strukturierte Diagnostik (90 Min.)
Strukturiertes Interview nach DIVA-5, Fragebögen (CAARS, WURS-k, ASRS), ggf. Fremdanamnese (Partner:in, Eltern) und neuropsychologische Testung auf Aufmerksamkeit und Exekutive.
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Befundbesprechung (45 Min.)
Wir besprechen das Ergebnis, klären offene Fragen und erstellen gemeinsam einen Therapieplan. Sie erhalten den ausführlichen Befundbrief schriftlich.
Medikation – informiert entscheiden.
Medikamente sind eine Säule der ADHS-Behandlung, nicht die einzige. Sie wirken gut bei den meisten Betroffenen – aber nur, wenn sie passend eingestellt und begleitet werden.
Methylphenidat & Lisdexamfetamin
Wirken bei rund 70–80% der Erwachsenen gut. BtM-pflichtig. Einstellung über 4–8 Wochen, schrittweise. Regelmäßige Verlaufstermine.
z.B. Medikinet adult · Ritalin adult · Elvanse
Atomoxetin & Guanfacin
Sinnvoll bei Unverträglichkeit von Stimulanzien, bei ausgeprägter Angst/Komorbidität oder wenn BtM ausgeschlossen ist. Wirkeintritt langsamer.
z.B. Strattera · Intuniv
Medikamente verändern nicht Ihre Persönlichkeit. Sie helfen, das Gehirn in einen Zustand zu bringen, in dem Aufmerksamkeit leichter gesteuert werden kann. Die eigentliche Arbeit – Strukturen aufbauen, Muster verändern – passiert zusätzlich.
Therapie-Bausteine, die wirklich ADHS-spezifisch sind.
Aufmerksamkeitslenkung
Techniken, die den Wechsel zwischen Aufgaben erleichtern und Hyperfokus nutzbar machen.
Struktur & Planung
Externe Systeme aufbauen: Kalender, Listen, Timer, Body-Doubling. Nicht mehr „Willenskraft“.
Emotionsregulation
Umgang mit intensiven Gefühlen, RSD und Erschöpfungsspiralen.
Selbstwert
Viele Erwachsene mit ADHS tragen jahrelange Kritik-Narben. Die bearbeiten wir explizit.
Schlaf & Energie
ADHS-typische Schlafprobleme angehen – chronotyp-gerecht, nicht mit Standardtipps.
Beziehungen
Kommunikation in Partnerschaft, Familie und Arbeit – mit ADHS-Blick.
ADHS kommt selten allein.
Bei Erwachsenen finden sich häufig zusätzliche Themen – entstanden aus jahrelanger Anpassung oder biologisch mit ADHS verknüpft.
- Depression
- Bei bis zu 40% – oft sekundär aus Überforderung. Wichtig in der Behandlungsreihenfolge.
- Angst
- Generalisierte Angst, soziale Angst – häufig als Schutzmechanismus entstanden.
- Schlafstörungen
- Verzögerter Chronotyp, Einschlafprobleme, unerholsamer Schlaf.
- Sucht
- Erhöhtes Risiko für Substanzkonsum als Selbstmedikation. Gute Behandelbarkeit bei konsequenter ADHS-Therapie.
- Autismus-Spektrum
- Überlappung häufiger als früher gedacht. Wir diagnostizieren oder überweisen.
- Essverhalten
- Binge-Eating, unregelmäßiges Essen bei Stimulanzien-Therapie – wird mitbetreut.
Was Patient:innen uns oft fragen.
Bin ich zu alt für eine ADHS-Diagnose?
Nein. Wir diagnostizieren regelmäßig ADHS bei Menschen zwischen 25 und 65. Entscheidend ist, ob Symptome bereits in der Kindheit vorhanden waren – dafür gibt es strukturierte Methoden und Fremdanamnesen.
Ich habe Angst vor Stimulanzien. Geht es auch ohne?
Ja. Nicht-Stimulanzien, Psychotherapie, Coaching-Elemente und Strukturarbeit können eine vollständige Behandlung ohne BtM-Medikation bilden. Wir entscheiden gemeinsam.
Ich habe schon eine Diagnose anderswo. Kann ich wechseln?
Ja. Bitte bringen Sie Vorbefunde mit. Bei einer tragfähigen, strukturierten Diagnose übernehmen wir die Weiterbehandlung ohne komplette Neudiagnostik.
Muss ich für immer Medikamente nehmen?
Nicht zwingend. Viele Menschen nehmen Medikamente über Jahre, manche pausieren phasenweise, andere kombinieren mit Therapie so, dass die Medikation reduziert werden kann. Das ist individuell.
Können Sie einen Befundbrief für den Arbeitgeber / die Uni ausstellen?
Ja, auf Wunsch und mit Ihrer Freigabe. Nachteilsausgleich an der Hochschule, Reha-Anträge oder arbeitsmedizinische Gutachten – das ist Teil unserer Arbeit.